Wer war Miriam Lundner?

 

12. April 1942. Palmsonntag - der Sonntag vor Ostern.

Neben dem Einwohnermeldeamt an der Nordseite des Domplatzes sammelt sich eine große Menschengruppe. Christen, die gerade aus dem Gottesdienst kommen beobachten die Szenerie.

Es sind 102 jüdische Einwohner aus Halberstadt. Sie müssen die Stadt verlassen. Sie werden Opfer der sogenannten "Endlösung" werden. Stundenlang müssen Sie neben dem Einwohnermeldeamt ausharren, bis alle bürokratischen Formalitäten dieser Erbärmlichkeit erledigt waren. "Gegen Quittung" wurden den Menschen ihre Hausschlüssel abgenommen und in Briefumschlägen in Verwahr genommen. (Quelle: Juden in Halberstadt, Band 1)

 

Laut rufen die Stimmen der SS-Wachen, als die Gruppe sich vom Domplatz aus zu Fuß auf dem Weg zum Bahnhof macht. Die Menschen haben Angst.

 

Mitten in der Menschenmenge sind auch etwa 20 Kinder.

Unter ihnen ein kleines Mädchen. Es hat an diesem Tag seinen vierten Geburtstag.

 

Das Mädchen hieß Miriam Lundner.

 

Mädchen ohne Gesicht


Mädchen ohne GesichtEs gibt kein Bild von Miriam Lundner. Der Krieg und die Gewalt der Nazis haben wohl alle bildhaften Erinnerungen an Miriam Lundner vernichtet. Nur Beate Pappenheim-Lundner, dem ältesten Kind der Familie, ist die Flucht vor den Nazis gelungen. Sie konnte ihr Leben retten.

 

Von Miriam Lundner ist uns der Name ist geblieben. Und so steht für uns der Name "Miriam Lundner" für eine Zeit, deren Schrecken wir niemals vergessen dürfen. Er steht für eine Werteerziehung, die sich gegen Gewalt und Rassismus stellt.

 

Das Gemälde "Mädchen ohne Gesicht" der Künstlerin Michaela Classen zeigt ein Mädchen im Alter von vier Jahren. Es spielt im Hinterhof gerade mir seinem Ball.

 

Das Gesicht fehlt. Hinter dem weißen Quadrat kann man es nur erahnen.

 

Im Hintergrund ist die ehemalige jüdische Schule im Westendorf 15 zu erkennen.

 

Schülerinnen der Grundschule "Miriam Lundner" haben sich Gedanken gemacht, wie Miriam Lundner einmal ausgesehen haben könnte. Deshalb hängen neben dem Gemälde noch zehn kleine Portraits. Sie zeigen alle ein fröhliches Kindergesicht. Mal blond, mal mit braunen Haar, mal mit langem Haar mal mit kurzem Haar. Wer möchte, der kann diesen Eindruck gerne auf sich wirken lassen.

 

 




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